Tag-Archive für ◊ Sommersonnenwende ◊

Ivan Kupala – Mittsommerfest

Besser spät als nie, möchte ich doch nun über unser Erlebnis zum Mittsommerfest mit euch teilen. 2011 waren Jana und ich auf einer kleinen kulturellen Rundreise in Russland unterwegs und hatten die große Ehre bei einem heidnischen Mittsommerfest mitzumachen. Heißen tut er jetzt Ivan Kupala (Übersetzt: Johannes Bad), also das Bad des Johannes des Täufers.

Scheiterhaufen MittsommerfestObwohl der Name auf einen christlichen Feiertag verweist, hat dieses Mittsommerfest  einen heidnischen Kern.  Der Sinn und Ablauf des Sommerfestes ähnelt dem Mittsommerbad der Germanen oder auch dem Johannesfeuer, welches heute noch gefeiert wird. Schön anzusehen ist das Johannesfeuer hier in den Alpen, wenn an den Spitzen in der Nacht helle Feuer brennen.

Bei diesen Festen, egal in welcher Kultur, feiert man den Sommer bzw. trauert man dem Sonnengott nach, da er stirbt (die Tage werden kürzer). An der Sommersonnenwende sagt man der Natur den größten Energiepegel nach und wenn man an diesen Tagen Kräuter sammelt, so entwickeln sie ihre größte Heilkraft (wenn noch dazu Vollmond ist). So glaubte man in der slawisch/russischen Kultur, dass wenn man im Fluss oder See zu dieser Zeit baden geht, die größtmögliche Energie aus der Natur schöpfen kann.
Ebenso war das Fest eine große Verkupplungsveranstaltung, an dem mehrere Dörfer aus der Region teilnahmen. Junge Leute die noch keinen Partner hatten, fanden meist zu dieser Zeit zueinander.
Heute wird durch Spiel, Gesang und mit Nachstellen von Szenen aus dem heidnischen Glauben dieser Traditionen gedacht.

Bratina und HonigweinAber zurück zu unserem Erlebnis. Insgesamt wird das Fest 3 Tage lang von den Menschen in Russland gefeiert, welche so langsam wieder ihre Wurzeln entdecken. Alles was dort gespielt oder veranstaltet wird, erfolgt ohne Zwang und mit viel Freude.
An diesen 2 Tagen haben wir 200 Personen ausgelassen und in enger Verbindung mit der Natur feiern gesehen.
Es gab keine Sturzbesoffenen, keine Schlägereien oder andere unangenehme Sachen.

Den ersten Tag haben wir leider nicht mitgekriegt, da wir selber noch unterwegs waren, haben es aber uns erzählen lassen.

 

1. Tag – 19. Juni

Am ersten Tag haben sich die ersten der rund 200 Teilnehmer versammelt und mit den Vorbereitungen angefangen. Am Abend trennten sich dann zum ersten Mal die Wege von Männlein und Weiblein. Die Männer blieben am Feuer, erzählten sich Geschichten, machten Musik und sangen.

Die Frauen zogen sich lange weiße Gewänder an und schlüpften so in die Rolle von Sirenen. Sirenen, sind quasi Meerjungfrauen, welche Männer bezirzen und so in den Tod reißen. In der slawisch/russischen Kultur leben solche Sirenen im Wasser, Sumpf und auf der Trauerbirke. Wie gesagt, verfällt der Mann der Schönheit und dem Gesang einer Sirene, so ist er dem Tode geweiht.

Nun, um sich an diesen Glauben zu erinnern, suchten die Frauen eine Birke auf und vollführten mit Gesang und Tanz einige Rituale, flochten sich aus Schilf Haarkränze und gingen anschließend im See baden um die Energie des Sommers zu tanken.

Anschließend, schlichen sie sich zu den Feuern, wo die Männer saßen und versuchten einen nach den anderen ins Wasser zu ziehen, um diesen quasi zu „ertränken“. Als einzige Verteidigungswaffe diente den Männern die Brennnessel…

 

Weiter zu Tag 2…

Feiertage – Westeuropas

Hier findet ihr Kurzgeschichten und normale Artikel im Zusammenhang mit den Feiertagen die man heute kennt, aber dessen Ursprünge in Vergessenheit geraten sind.

Sommersonnenwende

kupala_02Alban Hevin, wie die Kelten es einst nennten, war ein wahrlich großes Fest, welches zwölf Tage lang gefeiert wurde. Doch dieser Brauch war nicht nur bei den Kelten wohl bekannt, auch die Germanen und die Slawen wussten den längsten Tag des Jahres zu feiern. Auch in den anderen Kulturen war der Ablauf der Feierlichkeit ähnlich.  Wie zum 1. Mai oder zu Ostara (Ostern) wurden große Feuer angezündet, man tanzte, sprang über das Feuer, feierte, liebte und schwor einander ewige Liebe. Die Sommersonnenwende markiert einen weiteren wichtigen Punkt im heidnischen Jahr, aber auch im Leben der Heiden. Man widmet diese Tage dem mächtigen Gott der Sonne, der als ein Krieger verstanden wurde und als Ehegatte der weiblichen Götting, der Erde. Noch im Frühling feierten die Menschen die Vereinigung von Sonne und Erde und im Sommer schon, bittet man um die Früchte der sinnlichen Zusammenkunft…

stonehengeDieser Sonnenkult der Menschen trieb sie u.a. dazu, die Sonne und ihren Ablauf genau zu studieren. Sie bauten dafür große steinerne Bauwerke, wie das bekannteste Gebilde „Stonehendge“. Man weiß heute, dass die Menschen dort ihren Kult auslebten und natürlich ihre Messungen des Sonnenzyklus durchführten. So wussten die Menschen schon damals, dass der 21. Juni der längste Tag ist und  dass ab diesem Zeitpunkt die Nächte länger werden. Kommt es zusätzlich in der Nacht vom 21. auf den 22. zum Vollmond, so strotzt die Natur nur so vor Energie. Seit jeher wissen kundige Kräutersammler, dass zum Höhepunkt dieses Ereignisses die Pflanzen die höchste Sonnenenergie haben und somit am nützlichsten für den menschlichen Körper sind. Die Sammler, suchen dann nach Johanniskraut, Beifuß, Kamille, Holunderblüten, Blutwurz und vielen anderen Kräutern.

Aus anderen Quellen habe ich herauslesen können, dass es Germanen und Kelten gab, die die Sonne als eine weibliche Göttin mit den Namen „Sol“ (bei den Letten „Saule“) ansahen. Die Sonne die wir sehen, soll der abgetrennte Kopf der Göttin sein. So ist der Kopf im keltischen Glauben der Sitz der unsterblichen Seele und das Symbol für Licht und Geburt. Diese Verehrung ist vor allem auf den matriarchalischen Glauben zurück zu führen, wo man die Frau noch als Priesterin, Heilerin, Seherin oder Schamanin sah.

johannesWährend der Christianisierung von Europa wurde die Sommersonnenwende durch die Kirche dem heiligen Johannes des Täufers gewidmet, der seinen Geburtstag am 21. Juni hat. Dieser Heilige wird mit einem enthaupteten Kopf oder in einem Fellgewand, Kreuzstab und einem Lamm dargestellt. Ab und an findet man seine Figur auch mit Engelsflügeln wieder. Diese sollen seine engelsgleiche Lebensweise darstellen.

Hier hat die Kirche auch viele alte Symboliken übernommen und umfunktioniert. Das Sonnenwendfeuer wurde zum Johannisfeuer und die Speichenstellung beim Feuerrad wurde zu einem Kreuz umgebaut.