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Ratibor, ein Trickfilm aus den 80-ern über die slawische Seele

Ein kleiner Auszug über den Trickfilm aus dem Internet in Englisch:

„These men are very brave warriors. During assaults very few slaves can be captured among them for they would rather die than be taken prisoners.“ (Zakharios the Rhetor, 5th cent. A.D.) Paradoxically, it’s for the same reason that slaves were called like Slavs: slaves of Slavic origin were the rarest and consequently most valued kind of slaves. Like gold among other metals, the hardest to receive. Made by Soyuzmultfilm in 1973 after the novel ‚The Primordial Rus‘ by Valentine Ivanov (1950).

Der Trickfilm wurde unter der Regie von Roman Dawidow im Jahre 1973 gezeichnet. Seine Inspiration waren die Bücher „Powesti Drewnich Let – Geschichten der uralten Zeit“ (1953), „Rus Isnachalniya – Anfängliche Rus“ und „Rus Welikaya – Mächtige Rus“ geschrieben von Valentin Ivanov (31.07.1902 – 07.04.1975). Seine Bücher waren vom einfachen Leser und von auch Geschichtsforschern sehr geschätzt.

Im Trickfilm werden die wichtigsten Ideale der Slawen umrissen. Er zeigt die Lebensweise des slawischen Volkes und gibt einen kurzen Einblick in dessen Glauben.

Der Zeichenstil ist stark stilisiert, also wenig geeignet um sich Ideen für die Gewandung anzusammeln.

Dieser Trickfilm hat eine englische, leider nicht so gut gelungene, Übersetzung als Untertitel. Vorallem ist nicht alles übersetzt worden, was eigentlich wichtig wäre um die „slawische Seele“ besser zu verstehen.

Also hier die deutsche Übersetzung von mir:

Teil 1:

Vorspann:

„Seit Urzeiten, nennen wir, die Griechen, diese mächtigen Krieger „Rossichi“ oder „Russi“. Rosskije Männer sind mutige Krieger. Während der Raubzügen gelingt es nur wenige Gefangene zu machen, da sie lieber den Tod bevorzugen als die Freiheit zu verlieren.“ (Zakharios der Rhetor, 5 Jhd. nach Christus)

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Kolibel – Schlaflied:

Schlaf mein Kind, Ratibor, schlafe süß.

Wie die Augen der Erde – die Seen auch schlafen, süß schlafen.

Wie die Seen, auch unser Fluß „Ros“ schläft, süß schläft.

„Ros“ der Fluß so süß er schläft.

Schlafe du mein Bächlein – kleiner Ratibor…

Schlafen die Wälder, die schützen unsere Siedlungen wie Wände.

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Klopfen an der Tür:

Mann an der Tür:  „Alles in Ordnung. Oleyushka es ist für dich. Mstislavushka ist krank. Ihm muss geholfen werden.“

Oleyushka zaubert: „Morgenröte – ihr seid zwei Schwestern – die Morgenröte und die Abendröte… befreie den kleinen Mstislavushka vom bösen Fieberwahn. Schicke ihm Schlaf von allen Seiten. Ihr Roshanitsi, Rodunitsi (Schutzgottheiten für Heim und Haus), Uromas – ihr Töchter von Sworog (Hauptgott) wachet darüber, sodass es klappt. Ich weiß, ich spüre, dass mein Wort ist stark, stark, stark…“

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Reiten lernen:

Vater von Ratibor: „Wachse groß Ratibor.“

Mutter Oleyushka: „Also Ratibor, gehe fröhlich.“

Vater: „Wachse schnell!“

Mutter: „Es ist noch zu früh.“

Vater: „Er schon groß, oder Ratibor?“

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Beim Schnitzen:

Pferdeschnitzer: „Hier ist ein Pferd für dich, Ratibor. Da. nimm das Messer und schneide unnötiges ab.“

Ratibor: „Was ist denn ein Messer?“

Ältester:“Das ist ein Stiefelschwert. Wir nennen ihn Messer. Den kann man am Fuß im Stiefel verstecken. Das ist gut Ratibor. Jetzt weißt du was Schmerz bedeutet. So wirst du sie keinem Anderen zufügen ohne Grund.“

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Im Wald:

Vater: „Das sind unsere Wälder. So lebendig wie du und ich. Säfte fließen von der Wurzel bis in die kleinsten Ästlein. “

Ratibor: „Was ist das?“

Vater: „Das ist der Geschmack deines Waldes, Ratibor.“

Ratibor: „Und wer ist das?“

Vater: „Das ist Leshij (Waldgeist). Jeden Frühling ist es so. (gemeint der Saft und das Auftauchen des Waldgeistes)“

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Beim Jagen:

Ratibor: „Und wenn du nicht getroffen hättest…“

Vater: „Nein Ratibor. Ich hätte nicht verfehlen können. Halte deine linke Hand steifer. Stämme den Bogen gegen den Knochen. Straffe dein Handgelenk. So ist es gut. Nochmal. Pfeile kannst du später einsammeln.“

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Am See:

Vater: „Hör mal Ratibor – das ist die Lerche, sie kommt immer als erstes angeflogen. Wo und wie sie wohnt, das rate mal… Man darf keinen Harm zufügen. Wir nennen sie das Lied der Seele.

Kind beim Fischen: „Zefix, hat den ganzen Fisch verschrocken.“

Ratibor: „Und wer ist der Junge?“

Vater: „Das ist doch Mstislavushka, der letzten Herbst krank war. Sein Opa kämpfte noch im vergangenen Sommer. Er tötete 5 Steppenreiter… und der 6te tötete ihn. Der Tot ist nicht schrecklich, Ratibor. Schrecklich ist das Leben in Gefangenschaft. Irgendwie haben wir uns in der Zeit verloren.“

Ratibor: „Dann komm schneller.“

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Teil 2…

Domshinskaya Beresta

Ende des 19. – 20. Jahrhunderts erfuhr die „Domshenskaya“ Birkenrindenbearbeitung eine breite Bekanntheit. Wie die Shemagotskaya Beresta hat diese Kunst ihren Namen von der Region in der die Meister ansässig waren und die Birkenrinde auf eine bestimmte Art und Weise bearbeiteten. Die Handwerker weichten die Rinde im heißen Dampf auf und flochten diese anschließend zu verschiedenen Formen zusammen. Hierfür verwendeten die Handwerkermeister mehrere Schichten von Birkenbändern („Lichki“). Das Geflecht auf den Produkten konnte diagonale als auch vertikale Muster annehmen. Die fertigen Produkte wurden von den Meistern mit den Farben Gelb, Blau, Rot und Grün verfeinert. Hierfür bemalten sie das Geflecht im Stile eines Schachbretts, befleckten die Kunstwerke in zufälliger Ordnung oder zogen einzelne Strähnen nach.
Weiterhin prägten oder schnitzten die Handwerker schöne Verzierungen auf die Behälter. Die Prägungen wurden mit speziellen „Punziereisen“ (die aber auch aus Knochen oder Holz bestanden) in Form von Rauten, Sternen oder anderen Mustern und Zeichen eingedrückt. So entstand am Ende ein Gesamtbild welches den verschiedensten Ornamenten ähnelte.
Da die meisten Behälter aus mehreren Schichten hergestellt wurden, haben die Handwerker mit äußerster nur Vorsicht die oberste angeschnitten. Hier wurden ebenfalls geometrische Figuren bevorzugt, welche mit einer bunten Folie hervorgehoben wurden, die zwischen die Birkenrindenschichten eingearbeitet war.
Bei den richtig aufwendigen Kunstwerken fand man alle drei Arten der Verarbeitung.
Wegen der günstigen Lage der Region, hat sich die Bekanntheit dieser Handwerker ziemlich schnell verbreitet und so fand man zu der Zeit diese Kunst auf allen größeren Ausstellungen.

Wie viele andere Künste in Russland, ist auch dieses Handwerk in den 1930er beinahe verschwunden.

Ausgrabungen

Die häufigsten Funde von Birkenrindenerzeugnissen wurden, wie auch andere Gebrauchsgegenstände, in der Nähe von ehemaligen Siedlungspunkten bei Ausgrabungen gemacht. Eines solcher Siedlungspunkte ist beispielsweise Nowgorod, wo man Fragmente von Gefäßen, wie Wände und / oder Böden fand. Mit Hilfe der Überbleibsel konnte man viele Gegenstände wieder rekonstruieren und diese Kulturschätze in verschiedene Kategorien von Behältern unterteilen, wobei die Größe, Form und die Herstellungsart eine wichtige Rolle spielte.

143„Tues – Behälter“ wurden beispielsweise nach einer zylindrischen- und hohen Form, mit einem Durchmesser von 9-15cm hergestellt. Dessen Böden bestanden aus mehreren Schichten Birkenrinde, die untereinander verklebt und anschließend an den Rändern mit einem Bast- oder Textilfaden vernäht wurden. Für die Wände der Behälter hatte man ein ganzes Stück Birkenrinde hergenommen, welches in die zylindrische Form gebogen wurde. Die Naht wurde mit einem speziellen Verfahren gesteckt und mit einem Kleber (Leim, Harz, Birkenpechkleber) fixiert. Anschließend wurden die oberen und unteren Kanten mit Zierrändern, Ornamenten oder kleinen Rätsel verschönert.
Ebenso die Deckel der „Tues“ wurden schon damals mit sehr aufwendigen geometrischen Schnitzereien dekoriert.

Eine andere Kategorie sind die Körbe, die man in verschiedenen Größen gebaut hatte und für die Aufbewahrung von Brot oder große Mengen an Ernteerträgen verwendete. Solche Behälter waren größtenteils oval oder rund,  im Schnitt 20-60cm groß im Durchmesser und hatten eine Höhe von 20-30cm.  Vereinzelt fand man auch Körbe, die sogar einen Radius von einem halben Meter erreichten. Um eine höhere Stabilität der Körbe zu gewährleisten, hat man auch Bast und Birkenrinde kombiniert. Den Kern der Wände stellte der Bast dar, welcher mit ganzen Stücken Rinde oder einem Flechtwerk aus Birkenrinde verkleidet wurde. Im Anschluss hat man die Birkenkörbe, ähnlich wie die „Tues“ mit Schnitzereien, Ornamenten oder Malereien verschönert.

bild1Dank der Funde in Nowgorod konnten Muster und  Farben der Bemalung von den Birkenrinden-Behältern sehr detailgetreu rekonstruiert werden. Die Farbpalette bestand lediglich aus 5 Farben, wie Schwarz, Gelb, Rot, Braun und Blau. Das Muster bestand aus verschiedenen Linien, die in unterschiedlichen Dicken und Farben gemalt wurden. Diese Linien wurden am oberen, unteren und im mittleren Bereich gezogen. Nun lies man sie so stehen oder verzierte sie auf verschiedene Arten. Die unteren und oberen Linien wurden mit einem Zick-Zack- oder Wellenmuster verziert und die mittlere Linie war meist mit einer Art Geflecht oder quadratischen Zeichnung dekoriert.

Alle Gegenstände konnten auch mit einer besonderen Flechttechnik hergestellt werden. Die Menschen schnitten spiralförmige, 3-4cm dicke Bänder aus Birkenrinde und verflochten diese anschließend  mit dünnen Tannenwurzeln. Solche bauchigen Behälter dienten vor allem ab dem 13. Jahrhundert für die Aufbewahrung von Getreide oder Kleidung.

Ab dem 14. Jahrhundert tauchten schmale (Geld)-Börsen, welche aus einem Geflecht aus Birkenrindenstreifen hergestellt wurden.

Unzählige Funde zeugten ebenfalls für eine beliebte Nutzung der Rinde als Schwimmer. Diese waren meist flach oder gedreht und hatten verschiedene Zeichen eingraviert. Diese Gravur diente, nach Meinung der Forscher, als Markenzeichen für die Fischergemeinschaften denen die Netze gehörten.

In Nowgorod nutzte man die Birkenrinde auch als Zwischenstück für die Ferse der Schuhe oder für Scheiden von Messern. Bei Ausgrabungen wurden raue Mengen dieser Arbeiten gefunden.

Quelle
"Drewnaya Rus. Bit i kultura" (soviel wie: Altes Rus. Alltag und Kultur)
Autor: B.A. Rybakov

Schemogodskaya Beresta

Wir schreiben das Jahr 1900, in Paris wird die internationale Ausstellung „Exposition Universelle“ eröffnet. 35 Staaten nahmen an diesem Ereignis teil, stellten ihre nationalen Produkte vor, die sie repräsentierten und von den anderen Ländern unterschieden. Einer der Teilnehmer war auch das Russische Imperium. Der russische Pavillon wurde nach dem Beispiel des mittelalterlichen Kremls aufgestellt, welcher viele Besucher anlockte.
Viele Besucher des Kremls interessierten sich vor allem für die handwerkliche Kunst der russischen Meister. Zu beeindrucktesten Kunstgegenständen gehörten die gekerbten Birkenrindenerzeugnisse „Beresta“.  Diese fast gewichtslosen Gegenstände, mit ihrer feinen Kerbung auf der samtenen und rosigen Oberfläche erinnerten an ausgewählte und teure Knochenschnitzereien. Tabak- und Zigarrenetuis, Schatullen, Trinkgefäße und viele andere Sachen wurden durch die Hände des Schnitzers Ivan Afanasiewich Veprev aus einem Dorf unweit von der Stadt Welikii Ustyg erschaffen. Sein Name tauchte erstmals auf einer Ausstellung in Moskau im Jahre 1882 auf, wo er zugleich eine Silbermedaille gewann. Nach der Ausstellung in Paris ist der Meister auch in Europa bekannt geworden.
Diese Kunst beherrschte nicht nur Veprev, sondern auch andere Bauern aus der Umgebung seines Dorfes. Das Gebiet aus denen sie stammten, nannte sich „Schemogodskaya Wolost“ und prägte somit den Namen dieser speziellen Handwerkskunst, die als „Schemogodskaya Beresta“ bekannt ist. Wegen der eleganten und der zierlichen Ornamente auf der Oberfläche der Gegenstände wurde diese Kunst auch als „Berestyanoe Krushewo“, soviel wie „Birkenrindenspitze“ genannt.

Leicht zu erkennen ist die „Schemogodskaya Beresta“ an ihren einzigartigen Ornamenten. Bei der Verarbeitung ist es eine Gesetzesmäßigkeit, das Muster auf eine bestimmte Art und Weise zu gestalten. Einem windenden Halm, entspringen spiralenförmige Ästchen, und lange und schmale Blätter. Die grazilen Verzweigungen, werden an dessen Enden mit Beeren, dreiblättrigen Blätter und Ästchen verziert. In dieses Bild konnten Vögel, Tiere, architektonische Motive oder Menschen bei ihren Tätigkeiten eingearbeitet werden. Abgerundet wird das Kunstwerk meist mit einem geometrischen Rahmen, der ebenfalls gekerbt ist. Viele Meister unterlegen der Schnitzerei eine bunte Folie, sodass ein besserer und schönerer Kontrast zur Schnitzerei entsteht.
Bei dieser Kunst ist äußerste Vorsicht bei der Verarbeitung gefragt. Schon die kleinste Unachtsamkeit kann zu einem Komplettverlust führen, denn es reicht wenn ein Ornament fehlt. Geübte Meister, können ein solches Kunstwerk ohne Schablone und Vorzeichnung fehlerlos in die Birkenrinde kerben.
Im Dorf in dem Veprev lebte, vereinigten sich die Handwerker 1918 zu einer Genossenschaft. 1934 gründete Veprev selber ein eigenes Unternehmen, in das er die besten Meister einlud. Ihr Bestreben war die Tradition „Schemogodskaya Beresta“ zu erhalten und weiter zu führen. 1964 erwiesen sich die Gesellschaften als nicht rentabel und wurden kurzerhand geschlossen… Es war viel Kraft von Nöten um die Tradition am Leben zu erhalten und 1967 startete eine Maschinenfabrik einen neuen Versuch die Produktion von „Schemogodskaya Beresta“ wieder anzukurbeln…