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Domshinskaya Beresta

Ende des 19. – 20. Jahrhunderts erfuhr die „Domshenskaya“ Birkenrindenbearbeitung eine breite Bekanntheit. Wie die Shemagotskaya Beresta hat diese Kunst ihren Namen von der Region in der die Meister ansässig waren und die Birkenrinde auf eine bestimmte Art und Weise bearbeiteten. Die Handwerker weichten die Rinde im heißen Dampf auf und flochten diese anschließend zu verschiedenen Formen zusammen. Hierfür verwendeten die Handwerkermeister mehrere Schichten von Birkenbändern („Lichki“). Das Geflecht auf den Produkten konnte diagonale als auch vertikale Muster annehmen. Die fertigen Produkte wurden von den Meistern mit den Farben Gelb, Blau, Rot und Grün verfeinert. Hierfür bemalten sie das Geflecht im Stile eines Schachbretts, befleckten die Kunstwerke in zufälliger Ordnung oder zogen einzelne Strähnen nach.
Weiterhin prägten oder schnitzten die Handwerker schöne Verzierungen auf die Behälter. Die Prägungen wurden mit speziellen „Punziereisen“ (die aber auch aus Knochen oder Holz bestanden) in Form von Rauten, Sternen oder anderen Mustern und Zeichen eingedrückt. So entstand am Ende ein Gesamtbild welches den verschiedensten Ornamenten ähnelte.
Da die meisten Behälter aus mehreren Schichten hergestellt wurden, haben die Handwerker mit äußerster nur Vorsicht die oberste angeschnitten. Hier wurden ebenfalls geometrische Figuren bevorzugt, welche mit einer bunten Folie hervorgehoben wurden, die zwischen die Birkenrindenschichten eingearbeitet war.
Bei den richtig aufwendigen Kunstwerken fand man alle drei Arten der Verarbeitung.
Wegen der günstigen Lage der Region, hat sich die Bekanntheit dieser Handwerker ziemlich schnell verbreitet und so fand man zu der Zeit diese Kunst auf allen größeren Ausstellungen.

Wie viele andere Künste in Russland, ist auch dieses Handwerk in den 1930er beinahe verschwunden.

Tisch und Bank
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Das haben wir selbst gemacht… es knartscht und wackelt, aber erfüllt seinen Zweck 🙂

Schemogodskaya Beresta

Wir schreiben das Jahr 1900, in Paris wird die internationale Ausstellung „Exposition Universelle“ eröffnet. 35 Staaten nahmen an diesem Ereignis teil, stellten ihre nationalen Produkte vor, die sie repräsentierten und von den anderen Ländern unterschieden. Einer der Teilnehmer war auch das Russische Imperium. Der russische Pavillon wurde nach dem Beispiel des mittelalterlichen Kremls aufgestellt, welcher viele Besucher anlockte.
Viele Besucher des Kremls interessierten sich vor allem für die handwerkliche Kunst der russischen Meister. Zu beeindrucktesten Kunstgegenständen gehörten die gekerbten Birkenrindenerzeugnisse „Beresta“.  Diese fast gewichtslosen Gegenstände, mit ihrer feinen Kerbung auf der samtenen und rosigen Oberfläche erinnerten an ausgewählte und teure Knochenschnitzereien. Tabak- und Zigarrenetuis, Schatullen, Trinkgefäße und viele andere Sachen wurden durch die Hände des Schnitzers Ivan Afanasiewich Veprev aus einem Dorf unweit von der Stadt Welikii Ustyg erschaffen. Sein Name tauchte erstmals auf einer Ausstellung in Moskau im Jahre 1882 auf, wo er zugleich eine Silbermedaille gewann. Nach der Ausstellung in Paris ist der Meister auch in Europa bekannt geworden.
Diese Kunst beherrschte nicht nur Veprev, sondern auch andere Bauern aus der Umgebung seines Dorfes. Das Gebiet aus denen sie stammten, nannte sich „Schemogodskaya Wolost“ und prägte somit den Namen dieser speziellen Handwerkskunst, die als „Schemogodskaya Beresta“ bekannt ist. Wegen der eleganten und der zierlichen Ornamente auf der Oberfläche der Gegenstände wurde diese Kunst auch als „Berestyanoe Krushewo“, soviel wie „Birkenrindenspitze“ genannt.

Leicht zu erkennen ist die „Schemogodskaya Beresta“ an ihren einzigartigen Ornamenten. Bei der Verarbeitung ist es eine Gesetzesmäßigkeit, das Muster auf eine bestimmte Art und Weise zu gestalten. Einem windenden Halm, entspringen spiralenförmige Ästchen, und lange und schmale Blätter. Die grazilen Verzweigungen, werden an dessen Enden mit Beeren, dreiblättrigen Blätter und Ästchen verziert. In dieses Bild konnten Vögel, Tiere, architektonische Motive oder Menschen bei ihren Tätigkeiten eingearbeitet werden. Abgerundet wird das Kunstwerk meist mit einem geometrischen Rahmen, der ebenfalls gekerbt ist. Viele Meister unterlegen der Schnitzerei eine bunte Folie, sodass ein besserer und schönerer Kontrast zur Schnitzerei entsteht.
Bei dieser Kunst ist äußerste Vorsicht bei der Verarbeitung gefragt. Schon die kleinste Unachtsamkeit kann zu einem Komplettverlust führen, denn es reicht wenn ein Ornament fehlt. Geübte Meister, können ein solches Kunstwerk ohne Schablone und Vorzeichnung fehlerlos in die Birkenrinde kerben.
Im Dorf in dem Veprev lebte, vereinigten sich die Handwerker 1918 zu einer Genossenschaft. 1934 gründete Veprev selber ein eigenes Unternehmen, in das er die besten Meister einlud. Ihr Bestreben war die Tradition „Schemogodskaya Beresta“ zu erhalten und weiter zu führen. 1964 erwiesen sich die Gesellschaften als nicht rentabel und wurden kurzerhand geschlossen… Es war viel Kraft von Nöten um die Tradition am Leben zu erhalten und 1967 startete eine Maschinenfabrik einen neuen Versuch die Produktion von „Schemogodskaya Beresta“ wieder anzukurbeln…