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Lugnasad, Lammas, Schnitterfest

„Lammas“ ist der sächsische Ausdruck für das Schnitterfest welches zwischen der Sommersonnenwede und der Herbst Tag und Nachgleiche am 23.September stattfindet.
Ältere Wurzeln hat der Name Lugnasad und kommt aus dem Keltischen. Der Sage nach soll der Lichtgott Lugh dieses Fest zu Ehren seiner Ziehmutter, der Erdgöttin, gegründet haben.

DSC_3592Zum 1. August, dem Monat der Fülle und Reife, wurde das fröhliche Schnitterfest gefeiert. Es ist ein Zeitpunkt an dem die Menschen anfingen die ersten Ernten einzufahren und sich mental für den Winter vorzubereiten. Es war eine kritische Zeit, denn von der Ernte hing es ab wie gut der Stamm, Dorf oder die Gemeinschaft durch die kalten Monate kam. Lammas war das erste Fest von vielen, die während der ganzen Erntezeit bis zum Erntedankfest gefeiert wurden. So dankten die Menschen den Göttern, baten Sie um Schutz der Ernte und gedachten der Vergänglichkeit.

hahn 1Die Bräuche zu diesem Fest(en) variieren wieder von Gegend zu Gegend. So stand mancherorts der Hahn als (Mond-)Symbol für dieses Schnitterfest. Diese Ehre hat er seinen Schwanzfedern zu verdanken, die wie eine Sichel geformt sind und einer Sichel zum Mähen oder der Mondsichel ähneln. Denn die Ernten hingen wie vieles damals auch vom Mondzyklus ab…

„Wir haben den Hahn gefangen“ sagte man einst, wenn man rechtzeitig das letzte Getreide, die letzte Handvoll, geerntet hat.

Anderswo wurde bei diesem Fest, in Anlehnung zum wärmebringenden aber sterbenden Sonnengott, der Korngott geopfert. Dies war meist eine Strohpuppe und vereinzelt, wenn die Menschen besonders stark um die Gunst der Götter anhielten, waren es Menschenopfer.

hlebDie bekannteste Tradition zu der Zeit war aber Altes ins Neue einzuarbeiten oder etwas übrig zu lassen. Denn Neues entsteht nur auf dem Boden des Alten. Ein geschlossener Zyklus zudem die Menschen auch gehörten. So hat man zu Lammas meist ein frisches Weizenbrot gebacken und während des Knetens etwas vom alten Mehl ins Neue beigemischt. Ähnliche Symbolik hat auch das Stehenlassen von kleinen Büscheln Getreide auf dem Felde, als Dank für die Ernte und als Opfer für keimendes Leben im kommenden Jahr.

Lammas ist die beste Gelegenheit ein frisches Brot zu backen. Doch wenn man das Fest feiert, gehören auch frische Früchte und Waldbeeren dazu. Man sollte die warmen Tage noch genießen und sich langsam für Winter vorbereiten.

Ausgrabungen

Die häufigsten Funde von Birkenrindenerzeugnissen wurden, wie auch andere Gebrauchsgegenstände, in der Nähe von ehemaligen Siedlungspunkten bei Ausgrabungen gemacht. Eines solcher Siedlungspunkte ist beispielsweise Nowgorod, wo man Fragmente von Gefäßen, wie Wände und / oder Böden fand. Mit Hilfe der Überbleibsel konnte man viele Gegenstände wieder rekonstruieren und diese Kulturschätze in verschiedene Kategorien von Behältern unterteilen, wobei die Größe, Form und die Herstellungsart eine wichtige Rolle spielte.

143„Tues – Behälter“ wurden beispielsweise nach einer zylindrischen- und hohen Form, mit einem Durchmesser von 9-15cm hergestellt. Dessen Böden bestanden aus mehreren Schichten Birkenrinde, die untereinander verklebt und anschließend an den Rändern mit einem Bast- oder Textilfaden vernäht wurden. Für die Wände der Behälter hatte man ein ganzes Stück Birkenrinde hergenommen, welches in die zylindrische Form gebogen wurde. Die Naht wurde mit einem speziellen Verfahren gesteckt und mit einem Kleber (Leim, Harz, Birkenpechkleber) fixiert. Anschließend wurden die oberen und unteren Kanten mit Zierrändern, Ornamenten oder kleinen Rätsel verschönert.
Ebenso die Deckel der „Tues“ wurden schon damals mit sehr aufwendigen geometrischen Schnitzereien dekoriert.

Eine andere Kategorie sind die Körbe, die man in verschiedenen Größen gebaut hatte und für die Aufbewahrung von Brot oder große Mengen an Ernteerträgen verwendete. Solche Behälter waren größtenteils oval oder rund,  im Schnitt 20-60cm groß im Durchmesser und hatten eine Höhe von 20-30cm.  Vereinzelt fand man auch Körbe, die sogar einen Radius von einem halben Meter erreichten. Um eine höhere Stabilität der Körbe zu gewährleisten, hat man auch Bast und Birkenrinde kombiniert. Den Kern der Wände stellte der Bast dar, welcher mit ganzen Stücken Rinde oder einem Flechtwerk aus Birkenrinde verkleidet wurde. Im Anschluss hat man die Birkenkörbe, ähnlich wie die „Tues“ mit Schnitzereien, Ornamenten oder Malereien verschönert.

bild1Dank der Funde in Nowgorod konnten Muster und  Farben der Bemalung von den Birkenrinden-Behältern sehr detailgetreu rekonstruiert werden. Die Farbpalette bestand lediglich aus 5 Farben, wie Schwarz, Gelb, Rot, Braun und Blau. Das Muster bestand aus verschiedenen Linien, die in unterschiedlichen Dicken und Farben gemalt wurden. Diese Linien wurden am oberen, unteren und im mittleren Bereich gezogen. Nun lies man sie so stehen oder verzierte sie auf verschiedene Arten. Die unteren und oberen Linien wurden mit einem Zick-Zack- oder Wellenmuster verziert und die mittlere Linie war meist mit einer Art Geflecht oder quadratischen Zeichnung dekoriert.

Alle Gegenstände konnten auch mit einer besonderen Flechttechnik hergestellt werden. Die Menschen schnitten spiralförmige, 3-4cm dicke Bänder aus Birkenrinde und verflochten diese anschließend  mit dünnen Tannenwurzeln. Solche bauchigen Behälter dienten vor allem ab dem 13. Jahrhundert für die Aufbewahrung von Getreide oder Kleidung.

Ab dem 14. Jahrhundert tauchten schmale (Geld)-Börsen, welche aus einem Geflecht aus Birkenrindenstreifen hergestellt wurden.

Unzählige Funde zeugten ebenfalls für eine beliebte Nutzung der Rinde als Schwimmer. Diese waren meist flach oder gedreht und hatten verschiedene Zeichen eingraviert. Diese Gravur diente, nach Meinung der Forscher, als Markenzeichen für die Fischergemeinschaften denen die Netze gehörten.

In Nowgorod nutzte man die Birkenrinde auch als Zwischenstück für die Ferse der Schuhe oder für Scheiden von Messern. Bei Ausgrabungen wurden raue Mengen dieser Arbeiten gefunden.

Quelle
"Drewnaya Rus. Bit i kultura" (soviel wie: Altes Rus. Alltag und Kultur)
Autor: B.A. Rybakov